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Perspektiven
17.05.2018  Claudia Kuckelkorn

​Nicht nur Liebe geht durch den Magen … - Ein lockerer Einstieg in die Konzeptionsentwicklung

Ein Konzeptionstag im Jahr ist nicht gerade viel, um sich über wesentliche Inhalte der gemeinsamen Arbeit auszutauschen. Deshalb sollte er gut genutzt werden. Eine Möglichkeit ist die Begleitung durch einen externen Referenten, u.a. abhängig vom Budget, eine andere, die Gestaltung mit eigenen Ressourcen. Die erfahrene Fortbildnerin Claudia Kuckelkorn zeigt, wie ein Konzeptionstag optimal genutzt werden kann - mit Spannung, Spiel und Schokolade.
Wir übernehmen den Beitrag von Claudia Kuckelkorn aus kinderleicht!? 3/18 mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.

In Fortbildungen wird uns häufig berichtet, dass sich die Begeisterung der Kolleginnen und Kollegen in Bezug auf Konzeptionstage in Grenzen hält. Das ungewohnte lange Sitzen, viel Auseinandersetzung auf der theoretischen Ebene, manchmal auch die Sorge, dass Mittun eingefordert werden könnte, wie beispielsweise bei den allseits beliebten Rollen- oder Teamspielen. Am Ende des Tages hat man einen schweren Kopf, ist erschöpft und kann das Ergebnis nicht so recht würdigen. Also, alles in allem ein ambivalentes Vorhaben so ein Konzeptionstag.
„Da muss man durch“, sagen die einen. „Wirklich?“ frage ich mich. Wenn für die Kinder gilt, dass sie mehr, intensiver und nachhaltiger lernen, wenn sie es mit Freude tun, warum sollte das bei Erwachsenen anders sein?

Hier ein paar Ideen zur Gestaltung:
Es bedarf einiger Überlegungen im Vorfeld, aber eben nicht nur inhaltlicher Natur.
So ein Konzeptionstag ist auch eine Gelegenheit, die Wertschätzung gegenüber dem Team zum Ausdruck zu bringen.

Das kann auf vielerlei Art und Weise geschehen. Ein schön gestalteter optisch ansprechender Rahmen und eine gute Versorgung mit Getränken, Obst und Süßigkeiten, vielleicht noch ein gemeinsames Mittagessen, bewirkten, dass sich die Kolleginnen und Kollegen willkommen fühlen. Bei guten Fortbildungshäusern gehört das nicht ohne Grund zum Standard. Wir genießen es dort, ein wenig umsorgt und verwöhnt zu werden. „Euer Wohlbefinden ist mir wichtig“, ist die Botschaft dahinter.

Falls die zeitlichen und personellen Ressourcen es hergeben, beteiligen Sie Ihr Team an den Vorüberlungen, erfragen Sie bevorzugte Arbeitsstile, Methoden und Pausenregelungen.

Benennen Sie Ziele und Arbeitsschritte, sodass die Tagesstruktur im Vorfeld klar ist und jeder sich darauf einstellen kann. So könnten Sie auch noch Einwände oder Änderungswünsche aufgreifen.

Ich persönlich mag es, über eine Geschichte, ein Video oder andere Medien einzusteigen. So werden unterschiedliche Sinneskanäle angesprochen und die Kolleginnen und Kollegen werden auf einer emotionalen Ebene eingeladen.

Eine weitere Idee:
Füllen sie einen Korb mit Überraschungseiern. Ein guter Konzeptionstag ist wie …
Spannung (gespannt auf neue Inhalte, die Ideen der Kolleginnen und Kollegen …),
Spiel (eine gewisse Leichtigkeit im Umgang mit dem Thema, Spaß /Freude an den Gestaltungsmöglichkeiten, die neugierige, offene Herangehensweise, die Kindern zu Eigen ist …) und
Schokolade (ein paar Impulse für die Seele).
Verteilen Sie die Überraschungseier und lassen Sie die Kolleginnen und Kollegen benennen, welche persönlichen Wünsche und Erwartungen sie den drei Kategorien zuordnen.

Ein solch spielerischer Zugang kann positiven Einfluss auf die Atmosphäre haben. Sie wissen schon – das „innere Kind“.

Konzepte aufs Papier zu bringen, ist schon eine Herausforderung, aber noch weitaus schwieriger ist es, die formulierten Ideale auch zu leben.
Beides gelingt umso besser, je höher die Beteiligung an und Identifikation mit den Inhalten ist.


Was kann jeder Einzelne mit seinen Ressourcen zum Gelingen beitragen?

Auch hier kann man einen spielerischen, um nicht zu sagen kulinarischen Zugang wählen. In Anlehnung an Prof. Hüther, der ja den Käsekuchen als Sinnbild für das Gelingen beschrieben hat. Ob etwas gelingt, ist natürlich vom eigenen Beitrag, aber eben auch von weiteren Komponenten abhängig und es ist sinnvoll sich dessen bewusst zu sein.

Jeder, der gerne Käsekuchen backt, wird zustimmen! Man kann die gleichen Zutaten verwenden, ihn unter identischen Rahmenbedingungen backen und doch ist das Ergebnis nicht immer gleich. Im Wissen darum, dass wir Erziehung, Bildung nicht machen, aber sehr wohl zu ihrem Gelingen beitragen können, backen Sie einen großen Käsekuchen und so viele kleine Käsekuchen-Muffins wie Teammitglieder. Dazu stellen Sie Schälchen mit verschiedenen Beeren und/oder Zuckerdekoren zur Verfügung. Jede Kollegin/jeder Kollege gestaltet ihren/seinen Muffin mit ihrer/seiner gewählten Deko jeweils auch den großen gemeinsamen Kuchen. So finden alle Ressourcen ihren Platz – im Kleinen wie im Großen. Während Sie sich die Kuchen jetzt schmecken lassen, können Sie locker miteinander über die einzelnen Fähigkeiten und wo sie Anwendung finden könnten ins Gespräch kommen. Bitte die Ergebnisse protokollieren und in weiteren Teamsitzungen verfeinern.
Wenn wir bei der Moderation eines Konzeptionstages auf einige spielerische Elemente zurückgreifen, ist die Rückmeldung häufig, dass es ein lebendiger, leichter und trotzdem konstruktiver Tag mit guten Ergebnissen war. Probieren Sie es doch mal aus.

Claudia Kuckelkorn ist Leiterin eines Familienzentrums, Betriebswirtin Fachrichtung Sozialwesen und Referentin im Fortbildungsbereich.

Kontakt: c.kuckelkorn@t-online.de

Quelle: kinderleicht!? 3/2018, S. 7-8

Foto: Fotolia contrastwerkstatt
 

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