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Perspektiven
11.07.2016  

Schulkinder mit Fluchterfahrung im Blickpunkt

Dieses Jahr werden laut einer Schätzung der Kultusminister 300.000 neue Schülerinnen und Schüler mit Fluchterfahrung an deutschen Schulen erwartet. Viele von ihnen haben mit psychischen Belastungen zu kämpfen. Beispielsweise wird davon ausgegangen, dass jedes fünfte syrische Flüchtlingskind traumatisiert ist (Henningsen/Mall TU München). Fragen, die sich vielen LehrerInnen und ErzieherInnen stellen, sind:
Mit welchen Herausforderungen werden wir konfrontiert? Wie gehe ich mit Kindern um, die traumatisiert sind? Wie können wir helfen? Wie erkenne ich überhaupt Traumatisierungen? Und wo finden ErzieherInnen und LehrerInnen weiterführende Hilfe für Kita- und Schulkinder?  

Die Eingliederung der Kinder und Jugendlichen in den Kita- und Schulalltag ist eine gesellschaftliche Herausforderung, mit der die LehrerInnen und ErzieherInnen nicht alleine gelassen werden sollten. Der Bildungsverbund Schillerkiez nahm sich im Rahmen eines Netzwerktreffens am 22.06.2016 diesem drängenden Thema an. Als Referent für die Stiftung „Achtung!Kinderseele“ war Dipl.-Psych. Clemens Povel zu Gast. Herr Povel ist leitender Psychologe der Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Vivantes Klinikum Friedrichshain. Als Referent der Stiftung „Achtung!Kinderseele“ setzt sich Herr Povel ehrenamtlich dafür ein, dass Kinder und Jugendliche seelisch gesund erwachsen werden. Auf der Veranstaltung informierte er die TeilnehmerInnen über Merkmale von psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter und welche Möglichkeiten Eltern, LehrerInnen und ErzieherInnen haben, die seelische Gesundheit der Kinder zu fördern:  

„Kinder mit psychischen Störungen sind mit ihrem Verhalten oft herausfordernd für Lehrer und Erzieher. Das Verhalten und die emotionalen Reaktionen von Kindern mit Traumafolgestörungen sind im pädagogischen Alltag oftmals schwer einzuordnen, insbesondere wenn Sprach- und Kulturbarrieren bestehen. Lehrer und Erzieher wünschen sich in dieser komplexen Situation psychologische und psychiatrische Unterstützung“,
so Povel, der auch betont, dass gerade Kinder und Jugendliche mit Fluchterfahrungen auf gut informierte LehrerInnen und ErzieherInnen angewiesen sind:

„Die psychosoziale Versorgung für minderjährige Flüchtlinge und ihre Familien ist noch unzureichend: strukturell fehlen Beratungs- und Behandlungsplätze die mit Kultur- und Sprachmittlern  ausgestattet sind. Die geflüchteten Familien leben oft noch in sehr unsicheren und prekären Verhältnissen mit ungewissem Aufenthaltsstatus und sind mit existenziellen Problemen beschäftigt. Ihnen fehlt oft das Wissen über die Möglichkeiten und den Zugang zu einer psychiatrischen Behandlung.“

Dabei hebt Povel auch die besondere Bedeutung der Schule  für die seelische Entwicklung der Kinder und Jugendlichen hervor:
„Schule sollte Kindern mit Fluchterfahrung ein sicherer Ort mit vorhersehbaren Routinen und Lernangeboten sein. Die Kinder und Jugendlichen können hier wichtige neue Erfahrungen in unserem Land machen: sie sollten hier die Möglichkeit bekommen, die  Sprache und Kulturtechniken zu lernen. Positive Lernerfahrungen und soziale Kontakte sind eine wichtige Quelle für Selbstwert und soziale Kompetenzen als zentrale Resilienzfaktoren. LehrerInnen und ErzieherInnen sollten daher schulische Unterstützungssysteme (Schulsozialarbeit, Schulpsychologie etc) nutzen und mit öffentlichen Beratungsstellen (KJPD / EFBS) zusammenarbeiten. Sie sollten die Eltern ermutigen und motivieren, sich Hilfe bei Kinder- und Jugendpsychiatern und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten zu suchen.“  

Bei allgemeinen Fragen zur Lage von geflüchteten Familien in Neukölln sowie bei spezifischen Fragen, die sich im Kontext von Kita und Schule ergeben, finden Eltern, LehrerInnen und BetreuerInnen Hilfe und Informationen bei der: 
Neuköllner Koordinierungsstelle für Flüchtlingsfragen (NKF) 
Karl-Marx-Str. 83-85
12043 Berlin
Tel.:  +49 30 90239 2796
Fax:    +49 30 90239 3745    

Pressemitteilung von „Achtung!Kinderseele“ Stiftung für die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen
Die Stiftung „Achtung!Kinderseele“ setzt sich mit ihren bundesweiten Projekten für die seelische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen ein. Hinter der Stiftung stehen die drei deutschen Fachgesellschaften der Ärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -Psychotherapie (DGKJP, BKJPP und BAG). Die Stiftung „Achtung!Kinderseele“ engagiert sich mit eigenen Beratungsprojekten für die Vorbeugung und Prävention von psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter.  

…seelisch gesund erwachsen werden!  
Informationen zur Stiftungsarbeit und den Projekten unter:  
www.achtung-kinderseele.org                 
Kontakt:
Stiftung "Achtung!Kinderseele" c/o HST Hanse StiftungsTreuhand GmbH Poststraße 51 20354 Hamburg Telefon: +49 40 320 8830 -25 Telefax: +49 40 320 8830 -19 info@achtung-kinderseele.org  

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